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Max Beckmann - Departure // Director's Statement

Director's Statement

FREIHEIT UND MENSCHSEIN
Michael Trabitzsch über Max Beckmann

Max Beckmann: der Maler mit Weltgeltung, vielleicht der bekannteste Maler der Moderne aus Deutschland, dessen Werke Höchstpreise auf dem internationalen Kunstmarkt erzielen, von vielen als derjenige geschätzt, der Picasso ebenbürtig war.

Max Beckmann ist ein visuell narrativer Maler. Seine Bilder sind Personen-Bildnisse oder erzählen Geschichten, noch in den Landschaftsbildern und Stilleben. Sie sind figürlich, also narrativ auf den ersten Blick. Das Erstaunen setzt ein, wenn man zu sehen beginnt, was sich hinter der ersten für weitere Geschichten auftun. Dann setzen Respekt und Achtung ein. Dann vielleicht Liebe. Vielleicht Suggestion. Vielleicht Sucht. Denn hier geht einer auf die größten Fragen: Geschlechter, Bedrückung, Sinn, Dauer, Freiheit.

Max Beckmann ist ein extrem physischer Mann mit einer extrem sinnlichen Ausstrahlung. Er ist ein herausfordernder Mann, der den Kampf sucht und nicht verlieren will. Er ist ein rebellischer Mann, der jede Konvention ablehnt und auf seiner Einzigartigkeit als Individuum besteht. Er fordert Gott heraus, wörtlich, und meint: existentielle Einsamkeit und Verantwortung.

Max Beckmann ist vieles, man könnte ihn vielleicht aus Ernest Hemingway, Albert Camus und van Gogh sich zusammensetzen. Er trifft auf ein Jahrhundert, das ihn durch zwei Weltkriege zwingt, zum dreimaligen Neubeginn. Beckmann verliert nicht, zuletzt beginnt er in den USA seine dritte Karriere und wird dafür bis heute dort verehrt.

Max Beckmann verliert nicht. Aber er gewinnt auch nicht. Er ist wie eine Apotheose von Kraft, Beständigkeit, Willen bis zum Schluss. Er stirbt von einem Tag auf den anderen; am Vorabend hat er sein neuntes Triptychon ARGONAUTEN abgeschlossen. 

Max Beckmann ist einer, der uns heute etwas zu erzählen, zu sagen, zu geben vermag. Nicht nur als berühmter Künstler, sondern in seiner rigoros rücksichtslosen Suche nach Antworten unter schwierigsten Umständen. Er hält stand, beugt sich nicht, besteht auf seinen Fragen um seines Lebens und der Kunst willen. Sein Wille, uns etwas mitzuteilen, was nicht auf den ersten Blick sichtbar ist, ist wuchtig, groß, macht süchtig. Als würde er uns meinen.

Michael Trabitzsch

Geboren 1954 in Neumünster. Studium der Literatur und Philosophie in Göttingen und Berlin, anschliessend Promotion. Freiberufliche Tätigkeit als Journalist und Buchautor, Arbeiten für den Hörfunk, Regieassistenz und Produktionsleitung für Harun Farocki. Seit 1992 freie Fernseh- und Hörfunkproduktionen, 2002 Gründung der Produktionsfirma Prounen Film. Zu seinen Filmen als Regisseur gehören EIN STILLER REBELL – DER BILDHAUER WIELAND FÖRSTER (1992), ZEICHNEN BIS ZUR RASEREI – DER MALER ERNST LUDWIG KIRCHNER (1999), DIE MARMORSTRAßE (2001), DER LETZTE TAG DES SALVADOR ALLENDE (2004) und SHOOT BACK! (2005). Zuletzt produzierte er CHARLOTTE RAMPLING – THE LOOK (2011, R: Angelina Maccarone; nominiert zum Deutschen Filmpreis als Bester Dokumentarfilm).